
Bericht vom Workshop „Kriegsschäden sichtbar machen“
Seit Monaten erzählen uns Ex-Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und die Marine, der Verkauf des MFG5-Geländes an die Bundeswehr sei alternativlos: Aufrüstung und Vergrößerung der militärisch genutzten Bereiche in Kiel wären der einzige Weg, die „Landesverteidigung“ zu gewährleisten. Doch sieht die „Zeitenwende“ vor allem den Bau neuer, weltweit einsetzbarer Schiffe und eine offensive Ausrichtung der Marine vor. Dies gilt auch für das Seebataillon, das auf dem MFG5-Gelände stationiert werden soll. Gleichzeitig machte die Marine bei der Infoveranstaltung zum Kieler „Standortdialog“ deutlich: Angriffe auf Zivilist*innen könne sie im Ernstfall sowieso nicht verhindern.
Die Luftbilder Kiels aus 1945 zeigen ziemlich eindrücklich, was passiert, wenn große Bereiche einer Stadt militärisch genutzt werden: Sie wird zur Zielscheibe. Gerade die Marinewerften auf dem Ostufer und der Stützpunkt in der Wik führten dazu, dass riesige Flächen zivil bewohnter Gebiete regelmäßig zerbombt wurden. Doch auch der Flughafen in Holtenau, die Rüstungsbetriebe in Friedrichsort und die Seeflugstation im Vossbrook wurden angegriffen.



Mit den historischen Luftbildern aus dem Vossbrook machten wir uns am Samstag auf den Weg, um einige dieser Bombenkrater mit Sprühkreide nachzuzeichnen. Das war gar nicht so einfach, denn die Krater hatten meist über 8 Meter Durchmesser. Nachdem wir zu Beginn des Workshops einen Input zur Geschichte Kiels im Nationalsozialismus und zur Bombardierung Kiels im 2. Weltkrieg hatten, gab es im Nachgang noch einen kurzen Blick auf aktuelle, durch Luftbilder dokumentierte Zerstörung und Gewalt durch Krieg und Genozid – etwa in der Ukraine, in Palästina oder im Sudan. Klar ist: Was wann wo und wie zerstört wird, hängt maßgeblich vom Kontext ab. Gleich bleibt: Eine Bombardierung hat für die Menschen, Tiere und Pflanzen die an diesem Fleck gelebt, gearbeitet und existiert haben extrem spürbare und langfristige Folgen.
Neben den Bombenkratern im Voßbrook, die sich auf offenen Flächen befanden und heute nicht mehr zu sehen sind, weil sie wieder zugeschoben wurden, sind einige bis heute erhalten. Im alten Wald, direkt neben dem Spazierweg „Eekbrook“, haben wir einen solchen entdecken können. Obwohl etwas Schutt und Müll in ihn gefüllt worden war, ist er aufgrund der Größe und der charakteristischen Form noch gut zu erkennen.

In einer abschließenden Kleingruppenphase tauschten wir uns dazu aus, mit welchen Gefühlen wir aus dem Workshop gehen, welche Folgen mehr Aufrüstung in der Realität für uns hat und was uns wirklich Sicherheit geben kann. Für viele steht fest: Wirkliche Sicherheit kann es in Zeiten von internationalem Kriegseifer und Aufrüstungsdrang nicht geben. Was uns Hoffnung und Mut macht, sind nicht Regierungen, die darin einsteigen, selbst immer weiter aufrüsten und gleichzeitig dem sozialen Bereich die finanzielle Grundlage entziehen. Was uns Hoffnung und Mut macht, sind unsere Mitstreiter*innen und Mitmenschen, die solidarische Netzwerke (in der Nachbarschaft) knüpfen, die trotz allem die Perspektive internationaler Solidarität hochhalten und die diejenigen Unterstützen, die vor Krieg und Bomben fliehen.
Nach dem Workshop haben wir den Abend bei veganer Grillwurst, Getränken und guter Musik verbracht und waren auch das ein oder andere mal in der Förde Baden. Wie schön, dass das (noch) geht auf einem Gelände, welches weder abgesperrt und von Panzern und Soldat*innen belegt ist, noch von Bombenkratern übersäht.
