Pflanzliche Lebensgemeinschaften

Verfasst von

in

Was ein toller Sonntag! Während sich Sonne und kleine Wolken mit dringend nötigen Regen am Himmel abwechselten, kamen wir am Nachmittag auf dem ehemaligen MFG-5 Gelände zusammen, um die Pflanzenwelt, die sich dort wohlfühlt, besser kennenzulernen. 

Los ging’s mit einer Einführung, wie die Bestimmung von Pflanzen eigentlich funktioniert. Dazu schauten wir uns auch den Storchschnabel in unserem Reifen-Blumenbeet an. Danach entdeckten wir zahlreiche breitblättrige Stendelwurze, die in Gesellschaft mit den Graupappeln, die unser Baumhaus tragen, leben. Diese heimische Orchideenart ist zwar nicht gefährdet, steht aber, wie alle Orchideen, unter besonderem Schutz – und ist einfach wunderschön!

Auf unserer weiteren Tour besuchten wir Hauhechel, verschiedene Kleearten und wichtige Medizinalpflanzen, wie Beifuß und Johanniskraut. Besonders schön empfanden wir es, dass der unterschiedliche Kenntnisstand der Teilnehmenden dafür sorgte, dass wir alle Wissen teilen und so gemeinsam voneinander lernen konnten.

Im Bereich der stillgelegten Bahnanlagen schauten wir ein großes Vorkommen an Klappertöpfen an. Die gefährdete Art mag es hier ebenso, wie das übersehene Knabenkraut. Wie der Name schon sagt, wurde sie bei der Artabgrenzung der Knabenkräuter zunächst übersehen. Bis heute ist die Datenlage schlecht. Ob und wie stark diese Orchidee gefährdet ist, wurde daher noch nicht abschließend geklärt. Beide Pflanzen tauchen nicht im Umweltgutachten zum MFG-5 Gelände auf. Erneut zeigt sich hier das Problem des modernen Umweltschutzes: es wird nur das geschützt, was bekannt und erforscht ist.

Zum Abschluss schauten wir beim japanischen Riesenknöterich vorbei, der sich beim früheren Feuerwehrgebäude etabliert hat. Diese extrem invasive Art wächst äußerst schnell und dicht, sodass andere Pflanzen nicht dagegen ankommen und verdrängt werden. In Kiel ist der Knöterich bereits an vielen Orten vorhanden und gerade das ausgedehnte Vorkommen an der Veloroute deutet daraufhin, dass die städtischen Grünpfleger*innen die Ausbreitung mit ungeeigneten Maßnahmen sogar verschlimmern. Hier auf dem MFG5-Gelände bleibt der Bestand durch die extensive Nutzung und die Begrenzung durch Betonflächen zum Glück recht klein.

Das MFG5-Gelände ist nicht leer, keine ungenutzte Brache und ganz bestimmt kein „Schandfleck“. Die derzeitige Phase nennt die Stadt „Zwischennutzung“, doch für Pflanzen und Tiere hat dies keine Relevanz. Sie kehren zurück in ein Habitat, aus dem sie lange ferngehalten wurden und verwurzeln sich hier aufs Neue. Dies macht Hoffnung in Zeiten, in denen die Zerstörung zu dominieren scheint. Wir sollten uns ein Beispiel an ihnen nehmen. Schaffen und erhalten wir also Räume, die dies möglich machen.

Nach dem Spaziergang erwartete uns bereits die vorgewärmte Sauna von Jante Sauna 🔥, mit Blick aufs Wasser, wo sich eine Schwanenfamlie tummelte 🦢🦢🦢

Auch uns bot, wie immer, die frisch-freudige Förde die anschließend nötige Abkühlung 💦

Übrigens, nicht nur bei uns ist viel passiert: die Kulturplanke hat weitere Module für ihr Floß zusammengeschraubt. Es bewegt sich was, bald auch auf dem Wasser!

In diesem Sinne, kommt gerne zu unseren Veranstaltungen und entdeckt mit uns, was möglich ist. Werdet euch bewusst darüber, was wir alles verlieren, wenn das Gelände an die Bundeswehr geht. Unser Voßbrook ist etwas ganz Besonderes 💚🌷🌼🌿🦊.