Kategorie: Berichte

  • Solidaritätsaktion für Rojava zum NATO-Manöver

    Heute Vormittag paradierte die NATO durch die Kieler Förde. Mit dabei: etwa 1.500 türkische Soldat*innen auf den Fregatten „Istanbul”, „Oruçreis”, dem Versorger „Derya” und dem Drohnenträger und amphibischen Angriffsschiff „Anadolu”. Während sie sich durch den Nebel schoben, begrüßten wir sie gut sichtbar mit einer unmissverständlichen Botschaft: „Defend Rojava, for kurdish Autonomy!“

    Wir wehren uns dagegen, dass dem türkischen Militär hier in Kiel durch die NATO eine gigantische Werbefläche geboten wird. Denn neben den Kriegsspielen des Manövers, geht es hier auch darum, Drohnen, wie sie auf der „Anadolu” stationiert sind, zu verkaufen; Drohnen, die fast baugleich in Syrien gegen Kurd*innen eingesetzt werden.

    Erdoğan unterstützt maßgeblich die syrische Regierung unter Ahmed Al-Sharaa und ihre Truppen, die seit Wochen Rojava massiv angreift. Al-Sharaa, der früher für al-Qaida kämpfte, will seinen Machtanspruch gegenüber den kurdischen, aktuell autonom agierenden Gebieten durchsetzen. Seit er Ende 2024 die Herrschaft in Damaskus übernommen hat,  führt sein Regime immer wieder brutale Angriffe und Massaker gegen religiöse und ethnische Minderheiten, wie etwa den Drusen oder Alawiten, durch.

    Als Teil des NATO-Manövers „Steadfast Dart 2026” werden die Schiffe am 14. Februar wieder auslaufen. Zusammen mit der spanischen „Castilla”, wird die „Anadolu” Truppen von See aus bei Putlos anlanden. Von solchen Fähigkeiten träumt die deutsche Marine seit Jahren. Immer wieder war der Bau ähnlicher Landungsschiffe im Gespräch.

    Zunächst wird die deutsche Marineinfanterie jedoch aufgerüstet und auf den „maritimen Jagdkampf” neu ausgerichtet. Ganz und gar nicht neu ist dabei der Name, der für die Einheit gewählt wurde: Seebataillon. Unter diesem Namen waren Angehörige der Kaiserlichen Marine u.a. an der äußerst brutalen Niederschlagung des sogenannten „Boxeraufstands” und am Genozid an den Herero und Nama maßgeblich beteiligt. Als Teil der Kolonialtruppen war das Seebataillon eine wesentliche Stütze des deutschen Imperialismus.

    Aktuell sind eine Vergrößerung der Truppe von derzeit etwa 1.500 auf 2.000 Soldat*innen und bis zu 100 neue Kampfboote geplant – und die brauchen Platz. Diesen sollen sie auf dem ehemaligen MFG-5 Gelände finden, weshalb die Bundeswehr die Stadt Kiel bedrängt, es zu verkaufen. Die Verhandlungen laufen noch, doch zeichnet sich ab, dass die Ratsversammlung dem Verkauf zu den Bedingungen der Bundeswehr zustimmen wird. Es zeigt sich mal wieder, wer in Kiel die Politik bestimmt: Marine und Rüstungsindustrie.

    Kiel muss sich endlich seinem kolonialen und imperialen Erbe stellen. Krieg und Kolonialismus begannen und beginnen hier. Dekoloniale Kämpfe von hier aus zu unterstützen, darf sich nicht darin erschöpfen, sich der Geschichte von Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung nur bewusst zu sein. Wir müssen dafür sorgen, dass forbestehende ungleiche Machtverhältnisse zerschlagen werden. Dazu gehört auch, die zunehmende Militarisierung von Kiel aufzuhalten und abzubauen. Lasst uns deshalb den Voßbrook nicht der Bundeswehr überlassen, sondern als Ort für alle erhalten. Wir sagen: Freiräume statt Kasernen! Marine aus der Förde drängen!

    Dieses Ziel verbindet uns solidarisch mit der kurdischen Bewegung in Rojava. Sie steht für Selbstbestimmung, Demokratie, Gleichberechtigung von Frauen und ethnische und religiöse Vielfalt – aber auch für Widerstand, gegen den Terror des sogenannten ‚islamischen Staates‘ und den der derzeitigen syrischen Regierung.

    Widerstand heißt Leben! Berxwedan Jîyan e! 

    Eurem Grau setzen wir die Farben Rojavas entgegen! 

  • Gemeinsame Geschichten

    Gestern trafen wir uns zu einer offenen Lesebühne, bei der alle Menschen etwas vorlesen oder auch nur zuhören konnten. Dabei malten wir auch ein paar süße Bilder von Füchsen und frechen Hasen aus. Tee und Snacks, wie herrlich saftige selbstgemachte Zimtschnecken, sorgten für extra viel Gemütlichkeit.

    Als erstes wurde ein kleines Märchen auf Platt vorgelesen. Spontan sang ein Mensch dann noch ein plattdeutsches Lied über einen listigen Fuchs.

    Es folgten die Gedichte „Der Glockenturm“ und – dem Sozialdemokraten Ulf Kämpfer gewidmet – „Der Revoluzzer“ von Erich Mühsam. Der Lyrik Mühsams gelingt es, mit wenigen Worten viel mehr auszudrücken und dabei noch humor- und gefühlvoll zu sein.

    Die utopische Kurzgeschichte „The Ones who walk away from Omelas“ von Ursula K. Le Guin sorgte für angeregte Gespräche über ethische Aspekte von Aktivismus, politischen Kämpfen und über die Rolle von Gemeinschaft darin. Besonders beschäftigte uns die Bedeutung von Verantwortung und Verlässlichkeit in Gemeinschaften; und die Frage, welche Abhängigkeiten in unserer Gesellschaft bestehen, inwiefern sie uns einschränken, ob und wie sie zu überwinden sind oder ob wir sie sogar brauchen.

    In einem Ausschnitt aus Kurt Tucholskys „Deutschland, Deutschland über alles“ ging es um eine tiefe Verbundenheit zu Orten und Land, die ganz ohne Nationalismus und Patriotismus auskommt.

    Zum Schluss lauschten wir der satirischen Fabel „Der Bär als Statthalter“. Sie handelt von drei Bären, die als Kolonialbeamten in Sibirien walten. Das Verhalten der Tiere wirft dabei Fragen über die Willkür und den Sinn und Unsinn von Herrschaft auf.

    Wir hatten einen wunderbaren gemeinsamen Abend, der am Ende doch viel zu schnell vorbei ging.
    Wir danken auch vielmals den netten Menschen, deren (beheizte 😉) Räumlichkeiten wir freundlicherweise nutzen durften!

  • Erinnern heißt kämpfen!

    Erinnern heißt kämpfen!

    Heute haben wir wieder einige gemeinsame Stunden am Baumhaus verbracht. Mittlerweile können wir dafür auch die (fast) regendichte und weitestgehend gedämmte Hütte nutzen!

    Zunächst haben wir nun, nachdem die dicke Schneedecke geschmolzen und der Boden wieder sichtbar geworden ist, das Gelände nach Müll abgesucht und fleißig gesammelt. Mit Eimern, Tüten und Greifern bewaffnet durchstreiften wir bei bestem Wetter das Gelände – dabei kamen einige Eimer an Böllerresten, Schreckschusspatronen, Verpackungsmüll, Glasflaschen und sonstiges zusammen. Gleichzeitig bot dies eine gute Gelegenheit, mit den vielen, vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, die im Voßbrook unterwegs waren. Fast alle waren gegen den Verkauf an die Bundeswehr, fragten sich aber auch, ob und wie das noch verhindert werden kann. Unsere Antwort: gebt nicht auf, werdet laut und bringt euch auf eure Weise und mit euren Wünschen in den Protest ein. Ihr seid nicht allein mit eurem Wunsch nach Veränderung! Zusammen schaffen wir’s! Und übrigens: nicht wenige waren sowohl gegen den Verkauf, als auch die von der Stadt vorgesehene Bebauung – zumindet in der von ihr geplanten Form. Alle lieben den Freiraum, den das ehemalige MFG-5 Gelände derzeit bietet.

    Danach haben wir die Feuertonne angemacht, Teewasser aufgesetzt und gemeinsam den ‚Day of the Forest Defender‘ gestaltet. Am 18.01.2023 wurde ‚Tortuguita‘, nicht binär und Waldverteidigerin, von einem Polizisten im Zelt sitzend erschossen. Tort hatte einen venezulanischen Background und kämpfte im Weelaunee-Forest (Atlanta, Georgia/USA) gegen die Pläne, dort eine riesige Übungsstadt für die Polizei zu bauen @stopcopcity. Die Aktivistinnen machten mit ihren Baumhäusern und ihrem Protest auf die lange Geschichte des Waldes aufmerksam – darauf, dass die indigene Gemeinschaft der Muscogee Creek von dort vertrieben wurde, dass danach eine Plantage errichtet wurde, auf der Sklavinnen zur Arbeit gezwungen wurden, dass danach Gefängnisinsassinnen dort ebenfalls Zwangsarbeit leisten mussten. Vor allem aber ging es darum, der Nutzung von 300 Hektar des Waldes durch die Polizei im Weg zu sein.

    Insbesondere BIPoC [also Schwarze und indigene Menschen und andere von Rassismus betroffene Menschen] sind von (tödlicher) Polizeigewalt betroffen – und trotzdem entschied sich Tortuguita dafür, in vorderster Reihe gegen diese Gewalt zu kämpfen und sich schützend vor den Wald zu stellen. Um an Tort und an andere Menschen zu erinnern, die Bäume und Wälder verteidig(t)en und die dabei ihr Leben verloren, ins Gefängnis mussten oder während Räumungen durch Polizeigewalt verletzt wurden, wurde der #dayoftheforestdefender ins Leben gerufen.

    Neben dieser, wurden heute am Feuer noch einige andere Geschichten erzählt. Zum Beispiel die von Leonard Peltier, der als Native American dem American Indian Movement (AIM) zur Verteidigung der indigenen Bevölkerung und ihres Landes beitrat. In einem sehr umstrittenen Prozess wurde er 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er in einer Schießerei zwei FBI-Agenten erschossen haben soll, nachdem diese ins Pine-Ridges-Reservat (‚South Dakota‘) gewaltsam eingedrungen waren. Die vom FBI vorgelegten Beweise gelten jedoch als gefälscht und selbst der damals ermittelnde Staatsanwalt sprach sich später für die Aufhebung des Urteils aus.

    Auch in ‚Russland‘ werden indigene Aktivisten, wie der Chante Sergej Kechimov, vom Staat gewaltsam drangsaliert, wenn sie gegen die umweltzerstörende Öl- und Gasförderung und gegen den russischen Imperialismus Widerstand leisten. Sergej hat als traditioneller Rentierzüchter und Schamane mehrere Familienmitglieder und Mitstreiter*innen an die staatliche Gewalt verloren. Nach zahlreichen, kraftzährenden Gerichtsverfahren, starb er 2024 an Krebs – sehr wahrscheinlich eine Folge der Ölförderung, die Land und Wasser vergiftet hatte. Eine medizinische Versorgung wurde ihm aufgrund seines Aktivismus verwehrt.

    Auch von der gewaltvollen Räumung der Baumhausbesetzung in Flensburg 2020/21 wurde erzählt. Von Securitys, die Bäume ansägen und damit Menschenleben gefährden und von traumatischen Folgen durch (sexistische) Polizeigewalt bei der Räumung.

    Wir lasen ein Grußwort vom @zimmibleibt23 und einen Text über Sebastien und Remi aus Frankreich. Sebastien kam bei einer Ankettaktion gegen einen Castortransport (Anti-Atom) von Frankreich nach Deutschland ums Leben. Remi verlor sein Leben im Kampf gegen das Sivens-Staudamm-Projekt durch eine Polizeigranate.

    Und natürlich wurde auch vom Hambi erzählt. Von Elf, welchers sich während der eigenen schweren Tumorerkrankung dazu entschied, im Wald zu sein und mehrfach unter massiver Polizeigewalt räumen zu lassen, anstatt sich auszuruhen und zu therapieren. Elfs Tod und vor allem dessen Umstände hängen eng zusammen mit dem Vorgehen der Polizei. Von ‚Sonne’/Steffen, der mit seiner Kamera Polizeigewalt und Räumung dokumentieren wollte und der dabei tödlich verunglückte. Von seinen Mitstreiterinnen und ihrem Schmerz, weil die Polizei trotzdem weiter räumte und teils Menschen in Gewahrsamszellen voneinander abschnitt und Raum für Trauer und Gemeinschaft beschränkte. Von Aktivistinnen, die sich dem kurdischen Befreiungskampf in Rojava anschlossen, und nie mehr zurückkehrten, weil sie dabei ihr Leben ließen.

    Während dem Erzählen und Vorlesen wurden Kerzen entzündet und Gedenkschilder aufgestellt.

    Nebenbei gab es noch leckeres Essen von der Küfa (Küche für alle) und im Feuer gebackene Sandwiches.

    Wir nehmen all die Erinnerungen an vergangene Kämpfe mit und tragen sie in unseren Herzen, wenn wir weiterkämpfen. Ihr seid nicht vergessen, eure Schmerzen, Trauer, Wut sind nicht vergessen – lasst uns nicht vergessen und lasst uns weiter machen dort, wo manche von uns nicht weitermachen können.

  • Wir bauen an der Zukunft

    Stück für Stück, Balken für Balken wächst unsere Besetzung!

    Dank euren gespendeten Baumaterialien und eurer Mitarbeit konnten wir gestern drei neue Sitzbänke sowie das Grundgerüst für eine Hütte bauen! Nun können wir noch gemütlicher gemeinsam am Feuer sitzen und diskutieren, singen und Ideen spinnen für einen Vossbrook ohne Bundeswehr und eine Welt ohne Kriege und Militarismus! Außerdem konnten wir das Baumhaus weiter dämmen und es gemütlich für kalte Tage machen.

    Zwischendurch gab es ein leckeres festliches Weihnachtsessen – Sojabraten im Blätterteig mit Rotkohl und Bratensauce und dazu Tee, was wir auf den neugebauten Sitzgelegenheiten genießen konnten.

    Wir freuen uns schon auf die nächsten Projekte!

    Auf unserer Wunschliste stehen nun auch Fenster für die Hütte – bringt sie gerne vorbei oder meldet euch bei uns, wenn ihr noch was rumfliegen habt und selbst nicht mehr braucht 🙂

    Vom Vossbrook bis zur Waterkant – MfG5 bleibt in aller Hand !

  • Bericht zur Kundgebung:Vossbrook für alle!

    Bericht zur Kundgebung:Vossbrook für alle!

    Bei bestem Sonntagswetter fanden sich am 2.11.25 mehr als 75 Menschen bei den besetzten Bäumen nahe der Förde auf dem MFG5-Gelände zusammen, um gemeinsam gegen den Verkauf an die Bundeswehr zu protestieren.

    Zwei Menschen mit Fahne im Baumhaus

    Die Kundgebung begann am frühen Nachmittag mit einem Redebeitrag, der von zwei der Besetzer*innen direkt aus dem Baumhaus gehalten wurde. Parallel dazu kletterten weitere Besetzis oben in den Bäumen, hängten Flaggen und Transpis auf oder spielten unten am Boden Musik über eine Box.

    Außerdem gab es noch viele weitere spannende Redebeiträge vom Wagenplatz Schlagloch, dem wilden Wald Hamburg, dem Bündnis für bezahlbaren Wohnraum l, Netzwerk antirassistische Aktion Kiel, Perspektive Solidarität Kiel, der Antifajugend Kiel und einem Bewerber auf den jungen Rat in Kiel aus Holtenau. Sie alle betonten die Wichtigkeit des Geländes für die Allgemeinheit – für bezahlbare Wohnungen, für unabhängige und kreative (Wohn)kultur, als Freiraum für Jugendliche und als Ort, der auf vielfältige Art und Weise von so vielen genutzt wird: Zum Spazierengehen, Fahrradfahren, Baden, Windsurfen.

    3 Menschen vorm Zaun mit Transparent "Wohnraum für Alle"

    Auch die bundesweite gegenwärtige Entwicklung in Richtung Militarisierung und Aufrüstung wurde kritisiert. Statt noch mehr Raum für die Bundeswehr und für Kriegsindustrie, die es in Kiel ohnehin schon zuhauf gibt, statt Wehrpflicht und Sozialkahlschlag, brauchen wir Raum zum Leben, für gegenseitige Fürsorge und für ein solidarisches Miteinander.

    Zwischen den Redebeiträgen konnten die Anwesenden leckeres Essen und warme Getränke von der Küfa aus dem Stadtteilladen Anni Wadle genießen und einen Blick auf den blauen Himmel über der Kieler Förde werfen. Auch einige Menschen aus der Nachbar*innenschaft beteiligten sich an der Kundgebung, an vorbeiziehende Passant*innen wurden fleißig Flyer verteilt und das Gespräch gesucht.

    Dass so viele Leute zur Kundgebung gekommen sind, stimmt uns positiv: Der Kampf um das MFG5-Gelände nimmt an Fahrt auf! Neben dem Baumhaus gibt es schon länger so viele andere Menschen und Gruppen, die sich auf verschiedenen Wegen für den Erhalt des Geländes einsetzen. Bringt euch ein und seid weiter laut – gegen Militarisierung, für ein solidarisches Kiel für alle!