Pressemitteilung 11.02.2026

Solidaritätsaktion von ‚MFG-5 bleibt zivil!‘ für Rojava.

Kiel. Am 11.02.2026 gegen 8:00 Uhr hissten sechs Aktivist*innen der Gruppe ‚MFG-5 bleibt zivil!‘ ein Transparent mit der Aufschrift ‚Defend Rojava – for kurdish autonomy‘. Dafür erkletterten sie zwei Fahnenmaste am Ufer des ehemaligen MFG-5 Geländes. Mit kurdischen Rojava-Flaggen protestierten sie in Sichtweite der einfahrenden türkischen Marineschiffe ‚Anadolu‘, ‚Oruç Reis‘ und ‚Istanbul‘ gegen das NATO-Manöver ‚Steadfast Dart‘ und die türkische Beteiligung daran. Die Aktivist*innen rufen zur Solidarität mit den Menschen in der demokratisch-selbstverwalteten Region Rojava in Nordostsyrien auf.

Seit Wochen wird Rojava massiv durch syrische Regierungstruppen angegriffen. Ahmed Al-Sharaa, der früher für al-Qaida kämpfte, will seinen Machtanspruch gegenüber den kurdischen, aktuell autonom agierenden Gebieten durchsetzen. Seit er Ende 2024 die Herrschaft in Damaskus übernommen hat, führt sein Regime immer wieder brutale Angriffe und Massaker gegen religiöse und ethnische Minderheiten, wie etwa den Drusen oder Alawiten, durch.

„Wir können nicht einfach schweigend dabei zusehen, wie in kurdischen Gebieten täglich Menschen von der radikal-islamischen Regierung getötet werden“, meint Aktivistin Hanna Beehr. „Rojava und die kurdische Bewegung vor Ort stehen für den Kampf gegen den Terror des sogenannten ‚islamischen Staates‘, für die Gleichberechtigung von Frauen und für ethnische und religiöse Vielfalt. All das ist nun bedroht – durch die syrische Regierung, die dabei maßgeblich von der Türkei unter Erdogan unterstützt wird. Dass dem türkischen Militär hier in Kiel durch die NATO eine gigantische Werbefläche geboten wird, können wir nicht einfach hinnehmen.“

Im Januar begann das Manöver Steadfast Dart 2026. Die NATO will Stärke demonstrieren, um abzuschrecken. Dafür werden Teile ihrer Allied Reaction Forces (ARF) quer durch Europa verlegt. Nach Deutschland kommen allein 7.300 Soldat*innen – auch um zu beweisen, dass es „verlässlich und durchhaltefähig als Drehscheibe der NATO fungiert.“ Kiel ist einer der Hauptankunftspunkte der Übung. Etwa 14 Kriegsschiffe mit fast 3.000 Soldat*innen, davon 1.500 aus der Türkei, treffen hier am 11. Februar ein. Sie laufen am 14. Februar aus, um bei Putlos eine Landung von See aus durchzuführen.

Das türkische, amphibische Angriffsschiff TCG Anadolu nimmt dabei nicht nur eine Führungsrolle ein. Es gilt als erster „Drohnenträger“ weltweit. Dafür wurden genau die Drohnen, die bereits jetzt u.a. in Syrien gegen Kurd*innen eingesetzt werden, modifiziert. Zusammen mit vier weiteren Schiffen, wirbt es für die wachsende türkische Rüstungsindustrie.

„Die Türkei rüstet seit Jahren auf und Deutschlands Waffenexporte dorthin sind auf auf dem höchsten Stand seit 1999. Es heißt, dies stärke die NATO. Doch wo die Waffen letztlich eingesetzt werden, sehen wir gerade in Rojava. Den in Kiel ansässigen Rüstungsunternehmen, allen voran TKMS und Rheinmetall, beschert dies Millionengewinne. Sie und die Marine bestimmen hier die Politik, während die Stadt bei Bildung und Sozialem massiv kürzt. Junge Menschen sollen stattdessen in der Bundeswehr dienen und es droht die vollständige Wiedereinsetzung der Wehrpflicht. Auch dagegen protestieren wir mit unserer Besetzung des MFG-5 Geländes.“, erklärt Hanna Beehr weiter.

Die Aktivist*innen hatten im Oktober 2025 ein Baumhaus errichtet, nachdem der Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bekanntgab, mit der Bundeswehr über den Vekauf des städtischen Geländes an die Marine zu beraten. Die Stadt wollte auf dem Gelände eigentlich zahleiche neue Wohnungen, zu einem großen Teil sozial gebunden, errichten. Zur Zeit wird das Gelände u.a. für eine Geflüchtetenunterkunft für 900 Menschen, als Wagenplatzareal, für einen Jugendtreff und zur Freizeitgestaltung genutzt. Die Entscheidung über die Zukunft des Geländes soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch im Februar gefällt werden.